Alles andere als Comedy - Werner Schneyder brilliert satirisch
Man kann froh sein, dass Werner Schneyder wortbrüchig wurde und seinem Vorsatz „kein Kabarett mehr“ von 1996 nicht treu geblieben ist. Auf die Kabarettbühnen zurückgekehrt ist er mit dem Programm „Ich bin konservativ“, mit dem er am 2. Dezember auf Einladung von KulturGenuss-Die Vortragsvereinigung in der Aula des Gymnasiums Westerstede gastierte. Hier zeigte Werner Schneyder, wie spitz, ja bösartig, aber auch humoristisch und von feinen Zwischentönen getragen Kabarett sein kann, jedenfalls wenn es von der besten Sorte ist wie beim Grandseigneur aus Österreich.
Vor nahezu ausverkauftem Haus verteilte Werner Schneyder schallende verbale Ohrfeigen, dass es nur so klatschte. Mit
analytischer Brillanz sezierte er die vermeintlichen „Macher“ der heutigen Gesellschaft, entlarvte ihr Tun und ihre vermeintliche Moral. Dabei gestattete er sich klare Worte und scharfe Formulieren, die auch durch eine lebhafte
Bildsprache überzeugen: Einem „Minus-Wachstum“ setzt er ein „Plus-Schrumpfen“ entgegen, die Dominanz der Automobilindustrie in der deutschen Wirtschaft wird zur „Geiselhaft“, und die enge Verbundenheit zwischen Finanzwirtschaft und Ganoventum macht er deutlich durch die phonetische Nähe: Nur ein einziger Buchstabe trennt – oder trennt eben nicht – das Banken- vom Bandenwesen.
Dabei vertritt Schneyder stets einen klaren Standpunkt, er ist der Mann des „Entweder oder“. Aber gerade diese Klarheit und das Einfordern eindeutiger Haltungen macht sichtbar, woran es der Gesellschaft mangelt, insbesondere wenn es um Themen wie Neo-Nazis geht.
Als ehemaliger Barsänger und Chansonier lässt es sich Werner Schneyder natürlich nicht nehmen, sein Kabarett mit musikalischen Elementen zu ergänzen. In Westerstede begleitete ihn am Flügel Christoph Pauli.
In seiner Begrüßungsansprache ging der Vorsitzende vom KulturGenuss auf das breite Schaffensspektrum des Österreichers ein, das über die Jahre den Musiker ebenso hervorbrachte wie den Sportreporter mit der besonderen Liebe zum Boxsport, wie auch den Schauspieler und Regisseur. Seine Königsdisziplin ist und bleibt aber das Kabarett. Dieser Erfahrungsschatz ist es wohl, der Werner Schneyder stets davor bewahrt, ins Beliebige, Flache oder
gar Alberne abzurutschen. Er ist unverwechselbar, kaum einer Schublade zuzuordnen, aber eben alles andere als Comedy.
Dass diese Art der Unterhaltung auch in Zeiten eines verflachenden Massengeschmacks immer noch verfängt, zeigt die Resonanz des Publikums am 2. Dezember: Mit großem Applaus und „Standing Ovations“ bedankte man sich beim 74jährigen Kabarettisten für den Abend.








